Der Vandasee
In einer dieser dämlichen Quizshows im Fernsehen wurde einmal gefragt, wo der salzigste See der Welt liegt. Als alternative Antworten standen wohl die Wüste Gobi, die sibirische Tundra, die argentinischen Pampas und die Antarktis zur Auswahl. Obwohl der Verfasser dieses Artikels sich für geografisch durchaus beschlagen und physikalisch überdurchschnittlich gebildet hält, hätte er hier die falsche Antwort gewählt. Denn der salzigste See der Erde befindet sich auf dem sechsten Kontinent, der Antarktis. Das musste recherchiert werden, weil es so unglaublich klingt und dort doch wohl alles Eis ist, oder ? Der Name dieses geheimnisvollen Gewässers lautet Vandasee und es liegt im Gebiet des Wright Valley im Ross Nebengebiet des Victorialandes. Der See hat einen Salzgehalt von sage und schreibe 12 Masseprozent. Der Vandasee ist bis zu 75 m tief, hat eine Länge von 8 km und erreicht eine Breite von bis zu 2 km. Es handelt sich hier um ein meromiktisches Gewässer, das heißt die oberen Schichten des Sees durchmischen sich nicht mit den tieferen Schichten. Das Transantarktische Gebirge verfügt über einige im antarktischen Sommer (bei uns ist es dann Winter) eisfreie Täler. Dort liegt auch der Vandasee als einer von mehreren salinen Seen. Der See hat den Onyx River als Zufluss, der größter Fluss des Kontinents ist. Mit der Vanda Station hatte hier in den Jahren 1968 bis 1996 Neuseeland eine Forschungsstation in der Antarktis. Diese Station unterhielt am See sogar einen Schwimmclub, bei dem besonders Mutige ein Abzeichen erwerben konnten, wenn sie im Vandasee zum Schwimmen gingen. Im Sommer ist dies möglich, wenn an den Rändern des Sees das Eis taut. Von der Besatzung der Station wurde dann zusätzlich eine größere Fläche aufgehackt. Die Bedingungen für den Erwerb des Abzeichens waren aber an einige Besonderheiten geknüpft. So besagt eine Regel, dass nackt gebadet werden musste, eine andere, dass vollständig untergetaucht werden musste und eine weitere, dass ein Beweisfoto gefertigt werden musste. Eine Ausnahmeregelung wurde allerdings zugelassen, nämlich dass ein Feigenblatt getragen werden durfte. In der Antarktis ist ein solches natürlich schwer aufzutreiben. Neigt der kurze antarktische Sommer sich wieder seinem Ende zu, gefriert der Vandesee zu einem viele Meter dicken glasklaren Eispanzer.
